Becker/Heinz/Imhof/Küblböck/Manzenreiter (Hg.) - GELD MACHT KRISE
Finanzmärkte und neoliberale Herrschaft
Die Hamburger "Zeitschrift für Politikwissenschaften" Nr. 1/2004: Der Band liefert eine facettenreiche Einführung zum Thema Finanzmärkte. (...) Anhand von Fallbeispielen aus Lateinamerika, Asien und Europa werden die sozialen und politischen Faktoren von Verschuldung und Finanzkrisen aufgezeigt und abschließend wird auf die aktuelle Diskussion um die Reform und Re-Regulierung der Finanzmärkte eingegangen."
"GW Unterricht" Nr. 93/2004: "Drei aufeinander abgestimmte Teile bestimmen die Grobstruktur dieses überaus lesenswerten Bandes: Die ersten Kapitel bilden die Basis zum grundlegenden Verständnis von Finanzmärkten, Geldpolitik und Verschuldung, sowohl für globale Zentren als auch für Peripherien. (...) Bereichert wird die aktuelle Diskussion durch drei abschließende Beiträge über Re-Regulierungen von Finanzmärkten, Schuldenstreichungen für Entwicklungsländer und alternative Wege des Wirtschaftens."
ISBN 3-85371-209-6, br., großes Format, 264 Seiten, 24,90 Euro, 42,30
sFr.
Reihe "Historische Sozialkunde"/ Internationale Entwicklung
Erscheint im September 2003
Während der vergangenen Jahrzehnte haben sich die Finanzmärkte in den
Blickpunkt der Öffentlichkeit gedrängt. Oberflächlich betrachtet hängt
dieses Interesse mit den Medienberichten über die sich häufenden globalen
Finanzkrisen zusammen, die oft in den so genannten Entwicklungsländern
ihren Ausgang nehmen und sich zu globalen Krisen mit schwerwiegenden Folgen
auch für die Industriestaaten ausweiten. Die ursächliche Frage nach der
Wirkungsweise von Finanzmärkten bleibt dabei meist ungeklärt. Die Aufmerksamkeit,
die dem Phänomen "Finanzmarkt" zuteil wird, macht eine begriffliche Klärung
dieses Terminus notwendig und erfordert eine genaue Analyse seiner Funktionsweise
sowie seiner Auswirkungen auf die wirtschaftliche, soziale und politische
Entwicklung von Staaten im Zentrum und an der Peripherie.
In der historischen Betrachtung präsentiert sich die Entwicklung von Finanzmärkten
und globalen Geldströmen in engem Zusammenhang mit den jeweils herrschenden
internationalen Geldregimen, die die politischen und wirtschaftlichen
Handlungsspielräume weltweit bestimmten und bestimmen. Unterschieden werden
können im Wesentlichen drei Perioden: bis in die 1930er Jahre der Goldstandard,
nach dem Zweiten Weltkrieg der Dollar und seit den 1970er Jahren flexible
Wechselkurse, die durch abnehmende internationale Regulierungen der Kapitalströme
gekennzeichnet sind. Diese Entwicklung bildet den Hintergrund für eine
genauere Analyse der globalen Finanzarchitektur. Während die kollektive
Erinnerung an die Weltwirtschaftskrise nach 1929 und die Erschütterung
der Finanzmärkte nach dem Zweiten Weltkrieg die Grundlage einer stärker
interventionistischen Geldpolitik bildeten, wurden ab den 1970er Jahren
Regulierungen kontinuierlich abgebaut. Es drängt sich die Frage auf, ob
und wie weit die neuartigen Krisenerscheinungen mit der Liberalisierung
und Deregulierung der Finanzmärkte in Verbindung stehen.
Die Klärung dieser Fragen bedarf einer grundsätzlichen Definition der
Funktionsweise von Finanzmärkten sowohl in den Zentrumsstaaten als auch
in der Peripherie. Dabei werden über den wirtschaftswissenschaftlichen
Bereich hinaus auch die politischen und sozialen Implikationen für die
jeweiligen Länder untersucht. Begriffliche Grundlagen zu schaffen und
die historisch gewachsenen Rahmenbedingungen aufzuzeigen, ist Aufgabe
des ersten einführenden Buchteils. Ergänzend folgen eine Reihe von Fallbeispielen
aus Lateinamerika, (Ost)Europa und Asien. Abschließend wird auf die aktuelle
Diskussion um eine Reformierung und Re-Regulierung von Finanzmärkten eingegangen
sowie auf die derzeit diskutierte Möglichkeit der Insolvenz für Entwicklungsländer.
Die Herausgeber:
Wolfram Manzenreiter arbeitet als Universitätsassistent am Institut
für Ostasienwissenschaften der Universität Wien. Joachim Becker
ist Professor am Institut für Volkswirtschaftstheorie und -politik der
Wirtschaftsuniversität Wien. Karin Küblböck ist wissenschaftliche
Mitarbeiterin der Österreichischen Forschungsstiftung für Entwicklungshilfe
(ÖFSE), Karen Imhof Lektorin am Projekt Internationale Entwicklung/ZÜF
der Universität Wien. Weitere MitarbeiterInnen an diesem Band sind u.a.
Vanessa Redak, Mascha Madörin, Andrés Musacchio und Derek Aldcroft.


