Bell, Gertrude - AM ENDE DES LAVASTROMES - vergriffen!
Durch die Wüsten und Kulturstätten Syriens
Die "Basler Zeitung" am 28.2.1998: "Bells Leben beinhaltet alles für einen spannenden Film: viktorianisches Ambiente, interessante Familie, Problematik der hochtalentierten Frau, tragische Lieben, aufregende Reisen, phantastischer Aufstieg, Selbstmord, dazu den Krieg und die orientalische Kulisse."
Die "Einkaufszentrale für öffentliche Bibliotheken": "Illustriert mit zahlreichen zeitgenössischen Fotos, ist der stilistisch gut erzählte Bericht auch heute noch spannend zu lesen."
ISBN 3-900478-40-6, 306 Seiten, gebunden, illustriert, mit Lesebändchen,
VERGRIFFEN
Edition Frauenfahrten
Begeistert von ihrer Reise zu den Wüsten und Kulturstätten Syriens, gibt Gertrude Bell 1907 das Buch "The Desert and the Sown" heraus. Sie bereist drei Monate lang den Vorderen Orient, von Jerusalem an die Ufer des Jordan, zu den drusischen Bergen, zu den zu Stein gewordenen Lavaströmen, von wo man auf die Hamad, die wasserlose Wüste, sieht. Mit einer kleinen Karawane durchquert die Schriftstellerin die Wüste bis zum syrischen Aleppo. Eindrucksvoll beschreibt sie die Klagemauer in Jerusalem, die Klöster Kurutul und Mar Sabe, die Kunststätten am Ufer des Flusses Orontes, dann besucht sie die Wüstenstadt Damaskus. Im Vordergrund steht immer die Begegnung mit den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen dieser Region.
In ihren Reiseberichten schildert die Britin jüdische Pilger, türkische Bauern, arabische Hirten, syrische Beamte und kurdische Kaufleute - eine für Europäer interessante Einführung in diese Region mit all ihren Besonderheiten. Konflikte, Lebensweisen und Kultur werden untersucht. Bell ist nicht nur eine Vorüberreisende, sondern sie lebt mit arabischen Freunden und Bekannten. Sie trinkt Tee bei Scheichs, schläft bei Nomadenstämmen und erwirbt so Kontakte und politische Erfahrung. Oft reist sie mutig unter dem Schutz lokaler Machthaber in entlegene Gebiete.
Die Autorin: Getrude Bell, die 1868 als Tochter einer wohlhabenden Industriellenfamilie in Durham geboren wird, hat das Glück, in Oxford studieren zu können, und schließt ihr Geschichtsstudium nach nur fünf Semestern mit Auszeichnung ab. Ein akademischer Grad wird ihr nicht verliehen; dieses Recht erhalten Studentinnen in Oxford erst 1920. Durch ihren Onkel, den britischen Botschafter in Teheran, findet sie Zugang zur persischen Kultur, erlernt die Sprache und veröffentlicht erste Artikel. Nach intensiven Reisen wird sie zur Spezialistin für arabische Länder. Zusätzlich beschäftigt sie sich mit Archäologie. Auf ihren weiten Reisen entwickelt sie besondere Vorliebe für Syrien, dessen Wüstenlandschaften sie ihr Leben lang faszinieren. Das Arbeitsgebiet dieser aktiven Frau erweitert sich, als der britische Geheimdienst an sie herantritt, in seiner Arabien-Abteilung mitzuarbeiten. Enttäuscht nach einer unglücklichen Liebe zu einem verheirateten Mann, nimmt Bell dieses Angebot an. Das britische Empire möchte die arabischen Staaten mit der modernen Welt verbinden, und diese Integration sollte unter der Aufsicht der westlichen Mächte vor sich gehen. Gertrude Bell ist trotz ihres Wissens von der Überlegenheit der eigenen Kultur überzeugt, politisch befürwortet sie sogar den Imperialismus Englands. Andererseits ist sie über die rasch entstehenden Touristenhotels und die beginnende Vermarktung der arabischen Länder entsetzt - sie schwärmt für den unvergänglichen Orient und seine Menschen. Immer mehr widmet sie sich der unpolitischen Archäologie und verhindert durch die Gründung des Nationalmuseums in Bagdad, daß die antiken Kunstschätze des Irak in europäischen Besitz geraten. Im Alter von erst 57 Jahren stirbt Gertrude Bell 1926 einsam in ihrem Haus in Bagdad an einer Überdosis Schlafmittel.


