Göbelsmann, Laura C. – JENSEITS DES GRÜNS
Cornwall und seine industrielle Vergangenheit
Pressestimmen:
Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" vom 13. Oktober 2011: "Es ist der Kontrast zwischen 'Geschautem und Geschehnem', der die Autorin seit dreißig Jahren immer wieder nach Cornwall lockt. Sie hat offenbar alle Anlagen erwandert, oft im denkbar gröbsten Wetter und darüber ein kluges, in seiner vom Objekt besessenen Gründlichkeit sehr gewinnendes Buch geschrieben, dem der lakonische Witz stilistische Lichter aufsetzt."
Johanna Ruzicka in "Der Standard" vom 16. Juni 2011: "Ein Buch, das Lust auf Cornwall macht, und zwar abseits der üblichen Sprachreisen oder Badeurlaube, die oft kühl ausfallen. Denn im äußersten Südwesten Englands ist eine hochinteressante, häufig verschüttgegangene Industrie aufzuspüren."
ISBN 987-3-85371-324-2, br., 232 S., 17,90 Euro, 31.- sFr., Landkarte
Im äußersten Südwesten Englands versinken die letzten Landmarken einer uralten Geschichte allmählich im Grün: Zwischen Farnen, Heidekraut und Ginster, auf Hochmooren und auf Klippen wird hier ein überwachsener Schornstein sichtbar, dort die allein stehende Wand eines Maschinenhauses. Der Rundbogen eines Fensters rahmt die Farben des Atlantiks wie eine Kulisse, die man vergessen hat, beiseite zu schieben.
Die Ruinen mit ihrer eigenartigen Poesie sind Zeugnisse einer Zeit, die Cornwall veränderte wie kaum eine Epoche zuvor. Der cornische Erzbergbau ist Jahrtausende alt, doch erst im Verlauf der Industriellen Revolution stieg die Grafschaft zum größten Kupfer- und Zinnproduzenten der Welt auf. Mitte des 19. Jahrhunderts arbeiteten etwa 40.000 Menschen über und unter Tage: Männer, Frauen und Kinder. Doch Anfang des 20. Jahrhunderts begann der Niedergang. Die Hinterlassenschaft dieses langwierigen Prozesses sind zerfallene Fabriken, überwachsene Schornsteine und stillgelegte Bahnstränge, prachtvolle Herrenhäuser und üppige Gärten, hohe Arbeitslosigkeit, Abwanderung und das Ende der alten Gemeinwesen.
Zehn Jahre lang ist Laura Göbelsmann dieser Geschichte nachgegangen. Auf Wanderungen durch die ehemaligen Reviere, auf alten Transport- und Handelswegen, durch Landschaften von betörender Schönheit. Der Vergangenheit scheinbar entzogen, voll schillernder Farben und einem Licht wie feinste Gaze, fasziniert die Landschaft durch den Kontrast zwischen Geschautem und Geschehenem. Das ästhetische Erleben tritt neben den industriegeschichtlichen Diskurs.
Sichtbar wird eine Geschichte von Kapital und Arbeit, von starken Gemeinschaften und von Glaubensdingen, von Krisen, Rebellionen und Reformen. Und eine Geschichte menschlicher Erfindungskraft, die weit zurückreicht. Die Suche nach den Anfängen führt die Lesenden bis nach Jordanien ins Wadi Fenan, eines der ältesten Kupferreviere der Welt.
Doch es geht der Autorin auch um die Gegenwart und wie die Vergangenheit in ihr fortwirkt; um die Bedeutung der Bergbaugeschichte im kollektiven Gedächtnis und um ihre Begegnung mit Menschen, die Vergangenheit als ein Vermächtnis begreifen, das Erbe zu bewahren.
Im Jahre 2006 wurde Cornwalls Bergbaugeschichte auch offiziell gewürdigt: Die alten Reviere sind in den Rang eines Weltkulturerbes erhoben worden.
Laura Göbelsmann erzählt eine der ältesten Industriegeschichten Europas in literarisch anspruchsvoller Weise. Sie setzt damit Cornwall ein besonderes Denkmal. Ihr Buch lädt zum Erkunden vor Ort oder zum Reisen auf dem Kanapee ein.
Die Autorin:
Laura C. Göbelsmann, 1945 in Burscheid/NRW geboren und in Wuppertal aufgewachsen, war Fremdsprachen- und Wirtschaftskorrespondentin und hat mehrere Jahre in Toronto und London gearbeitet. Seit 1985 ist sie journalistisch tätig und hält sich regelmäßig in Cornwall, Yorkshire und Wales auf. Berichte zur britischen Industriegeschichte und Industriekultur sind u.a. in der Berliner „taz“ erschienen. Die Autorin lebt in Köln.

