Hödl, Gerald - ÖSTERREICH UND DIE DRITTE WELT
Außen- und Entwicklungspolitik der Zweiten Republik bis zum EU-Beitritt 1995
G. Neumüller in der "Österreichischen Militärischen Zeitschrift" Nr. 3/2007: "Der Leser findet eine sehr gut dokumentierte und auf reiches Quellenmaterial aufbauende Analyse. Mit biografischen Hinweisen auf österreichische Politiker, die im Text genannt oder zitiert werden, wird dieses spannende Buch abgerundet."
Gerhard Bittner in der Zeitschrift "Entwicklungspolitik" Nr. 19/2005: "Detailliert schildert der Autor, wie die österreichischen Akteure sich zu Veränderungen innerhalb der globalen Machtstrukturen verhalten haben und wie sich nationale Kapitalinteressen im Rahmen der Außenpolitik Geltung verschaffen konnten."
Das "Journal für Entwicklungspolitik" Vol. XXI/ 2-2005: "Mit dem Buch des Zeithistorikers Gerald Hödl liegt erstmals eine Gesamtdarstellung der österreichischen Politik gegenüber der so genannten Dritten Welt für den Zeitraum von 1955 bis 1995 vor. Dieses Faktum ist bereits ein erster Indikator für die Zusammenhänge zwischen politischer Relevanz, öffentlicher/veröffentlichter Wahrnehmung und wissenschaftlicher Behandlung der Themenstellung. (...) Die Zielsetzungen der Studie, die Darstellung der Beziehungen der industrialisierten zur ‚Dritten Welt' unter Berücksichtigung der ökonomischen und politischen Sphäre in ‚angemessener Weise' wurden größtenteils erfüllt. (...) Der einzige Schönheitsfehler ist die nicht gendergerechte Schreibweise, auch wenn die politische Realität, vor allem in der Außenpolitik, sicherlich noch immer eine männlich-dominierte ist."
Jan Pospisil in der "Österreichischen Zeitschrift für Politikwissenschaft", 34. Jg., Hft. 2: "Weltsystemische Analysen entsprechen derzeit nicht unbedingt dem wissenschaftlichen Zeitgeist - zu Unrecht, wie Gerald Hödls neues Werk über die historische Entwicklung des widersprüchlichen Verhältnisses Österreichs zur "Dritten Welt" beweist. In Mode gekommenen Begriffshülsen wie ‚Neoliberalismus' und ‚Globalisierung' setzt Hödl ein Modell entgegen, das eine konsequente historische Periodisierung auf Basis von Kondratieff-Zyklen vornimmt ... (...) und für alle Interessierten eine unverzichtbare Lektüre darstellt."
Silvia Michal-Misak in der Zeitschrift "International" Nr. 3-4/2005: "Die Zielsetzung der Studie, die Darstellung der Beziehungen der industrialisierten zur Dritten Welt unter Berücksichtigung der ökonomischen und politischen Sphäre in ‚angemessener Weise' wurden größtenteils erfüllt. Vor allem die sehr gut dokumentierte und auf reiches Quellenmaterial gestützte Analyse der entwicklungspolitischen Debatten in Österreich als auch das sehr umfangreiche Literaturverzeichnis und die biographischen Hinweise österreichischer PolitikerInnen machen das Buch zu einer Pflichtlektüre außen- und entwicklungspolitisch interessierter LeserInnen."
Das "Paolo Freire Zentrum" (www.pfz.at) am 11.4.2005: "Die Lektüre des Kapitels Entwicklungshilfe gestaltet sich wie eine Anleitung zum Gebrauch des kriminalistischen Spürsinns für entwicklungspolitisch Interessierte.
Die Zeitschrift "Entwicklung & Politik" im Heft 4/2004: "Nur wenige Autoren haben bisher den Versuch unternommen, diese neue Dimension der österreichischen Außenpolitik umfassend und auch in größeren Zusammenhängen darzustellen. (...) Dieser Aufgabe hat sich der Grazer Historiker Gerald Hödl in einer bemerkenswerten, hervorragend dokumentierten und auf reiches, bisher wenig genützten Quellenmaterial gestützen Arbeit unterzogen."
Das SADOCC-Magazin "Indaba" Nr. 44/04: "Gerald Hödl hat mit der vorgelegten Arbeit einen weiten Bogen in der aussen- und entwicklungspolitischen Diskussion in Österreich von der unmittelbaren Nachkriegszeit zum Beitritt zur Europäischen Union gespannt. Und um den politischen Diskurs, speziell um die Debatten im Nationalrat und in Fachzeitschriften, geht es hier in erster Linie. (...) ... liest sich das Buch spannend, durch die vielen Zitate sehr lebendig, sodaß man gelegentlich meint, einer Live-Debatte von Heribert Steinbauer (ÖVP) und Peter Jankowitsch (SPÖ) im Hohen Haus beizuwohnen. Für den außen- und entwicklungspolitische Interessierten ist das Buch jedenfalls eine bereichernde Zusammenstellung, die das Verständnis der österreichischen Beziehungen zur Dritten Welt vertieft."
Die Internet-Plattform "www.buchkritik.at" im Dezember 2004: "In einem Schlusskapitel bietet die Studie eine Zusammenfassung der nationalen Entwicklungshilfe. Ein Strukturmerkmal von den 1960er Jahren bis heute ist hier, dass NGO's die technische Hilfe sowie die Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit organisieren und der Staat als Finanzier in Erscheinung tritt. Da eine Untersuchung der bilateralen Projekte der EZA den Rahmen dieser Studie gesprengt hätte, darf der Leser auf eine Fortsetzung der Forschungsarbeit des Autors in dieser Richtung hoffen."
ISBN 3-85371-229-0, br., 304 Seiten, 21,90 Euro, 34,90 sFr.
Edition Forschung
Auf den ersten Blick erscheinen sie als historische Marginalie: die Beziehungen des traditionell auf Europa ausgerichteten Kleinstaates Österreich zu den Ländern der südlichen Hemisphäre. Sieht man allerdings genauer hin - wie es Gerald Hödl in seinem Buch tut -, so stößt man auf die Brennpunkte der Weltpolitik seit 1945: von der Dekolonisierung des Kongo über den Nahostkonflikt bis hin zu den Auseinandersetzungen in Zentralamerika.
Erstmals liegt mit diesem Buch eine Gesamtdarstellung der österreichischen Politik gegenüber der so genannten Dritten Welt vor - nicht nur, wie sie sich in politischen Krisen und im Bereich der Wirtschaftsbeziehungen äußerte, sondern auch in Form entwicklungspolitischer Konzepte und Maßnahmen (einschließlich der Entwicklungshilfe).
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Zeit zwischen dem Ende des Zweiten Weltkriegs und dem EU-Beitritt Österreichs im Jahre 1995. Mit ihm erlischt gewissermaßen eine eigenständige österreichische Außenpolitik. Lässt man diese fünf Jahrzehnte Revue passieren, so zeigt sich deutlich, wie sehr Österreich Bestandteil jenes Herrschaftsgeflechts war, mit dem die kapitalistischen Zentren große Teile der Peripherie ihrer Kontrolle unterwarfen. Die Kräfteverhältnisse schwankten je nach historischer Periode, und von ihnen hing es in erster Linie ab, welches Bild man sich von der Dritten Welt machte, welche Instrumente man im Umgang mit ihr für angemessen, welche Konzessionen für erforderlich, welche Interessen für durchsetzbar hielt.
Seinen primär diskursanalytischen Zugang ergänzt der Autor um die Darstellung konkreter politischer Aktivitäten gegenüber der Dritten Welt - von handelspolitischen Maßnahmen über die Abstellung von UN-Friedenstruppen bis hin zu den quantitativen und administrativen Veränderungen innerhalb der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit (EZA).
Der intellektuelle Reiz der Studie besteht vor allem darin, dass und wie sie unterschiedliche Ebenen zueinander in Beziehung setzt. Die österreichische Politik - in ihrer Rhetorik wie in ihrem realen Handeln - wird nicht als insulares Phänomen begriffen, sondern in den Kontext der globalen politischen und sozio-ökonomischen Entwicklung sowie der internationalen entwicklungspolitischen Debatte gerückt. Das Verhältnis Österreichs zur Dritten Welt erscheint somit als ein durch die globalen Machtverhältnisse bestimmtes, zugleich aber als ein historisch veränderliches und veränderbares.
Der Autor:
Gerald Hödl, geboren 1965 in Graz, ist Historiker und arbeitet
als freier Wissenschaftler und Universitätslektor in Wien. Zu seinen jüngsten
Publikationen zählen ein Buch über die Arisierung von Liegenschaften in
Wien (München 2004; gemeinsam mit Gerhard Melinz) sowie der Band "Entwicklung
und Unterentwicklung" (Wien 2004, als Mitherausgeber). Für Promedia übersetzte
er 1998 Immanuel Wallersteins "Das moderne Weltsystem II - Der Merkantilismus".

