Immanuel Wallerstein - DER SIEGESZUG DES LIBERALISMUS (1789-1914)
Das moderne Weltsystem IV
Über dieses Buch schrieben oder sendeten u.a.:
Die "Neue Zürcher Zeitung" am 26. März 2013:"Marxistisch inspiriert und eine immense Menge an Literatur verarbeitend, beschreibt Wallerstein die Ausbreitung der kapitalistischen «Geokultur» seit dem 16. Jahrhundert,
wobei er ökonomische Konjunkturen und politisch-staatliche Hegemonien favorisiert. Im neuen Band berücksichtigt er nun auch Mentales: den Siegeszug des Liberalismus, der die beiden anderen grossen Ideologien, den Konservatismus und den Radikalismus, verdrängt und die liberalen Staaten sowie die Sozialwissenschaften geschaffen habe. Letztere hätten primär eine legitimatorische Aufgabe erfüllt. Das ist das Problematische an Wallersteins «strukturfunktionalistischem» Geschichtsbild: Was immer er auch erwähnt, übt eine bestimmte Funktion aus, die den Fortgang des von ihm beschriebenen Geschehens garantiert. Menschen kommen hier (anders als bei Marx) nur als Marionetten vor."
Klemens Kaps in der "Zeitschrift für Weltgeschichte", Heft 1, 14. Jahrgang 2013: "Insgesamt gelingt Wallerstein mit diesem viertem Band eine ergiebige Erweiterung des Analyserasters Weltsystem um das Konzept der Geokultur, das die Elemente der modernen politischen Taxonomie - Ideologie/Parteien, soziale Bewegungen, Modernisierungspolitik der Regierungen, Wissenschaft - zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenführt."
Die Zeitschrift "Wildcat" Nr. 94/ Frühjahr 2013: "Es geht im gesamten Band vorrangig um Politik und den Kampf um Hegemonie. Staaten werden darin tendenziell zu Subjekten der Geschichte, die Kämpfe der 'antisystemischen Bewegungen' sind nicht aus den spezifischen kapitalistischen Ausbeutungsverhältnissen entwickelt. Wallerstein steuert in beeindruckender Weise straight durch 125 Jahre Weltgeschichte."
Herbert Strunz in der Zeitschrift "International" Nr. IV/2012: "Dem Promedia Verlag kann gar nicht genug gedankt werden, dass er es sich zur langjährigen Aufgabe gemacht hat, das umfangreiche, vierbändig angelegte Originalwerk von Immanuel Wallerstein auch in deutscher Sprache herauszugeben. (...) Mit dem nun erschienenen vierten Band ist das Hauptwerk des großen Gelehrten dankenswerterweise nun vollständig für den deutschprachigen Raum erschlossen."
Jos Schnurer auf "www.socialnet.de" am 3. Dezember 2012: "Mit dem vierten Band führt er nun die historische Betrachtung der Entwicklung des modernen Weltsystems weiter, indem er die "Etablierung einer Geokultur für das moderne Weltsystem, die sich im wesentlichen um die Ideologie (des "zentristischen Liberalismus" ) dreht und von ihr dominiert wird", behandelt. In den Argumentationen und Analysen bezieht er sich immer wieder auf die vorherigen Bände - und kündigt an, dass es noch einen fünften Band geben müsse, der von 1873 bis 1968/1989 und einen sechsten, "dessen Parameter von 1945/1968 bis irgendwann Mitte des 21. Jahrhunderts reichen" sollten." http://www.socialnet.de/rezensionen/13531.php
ISBN 978-3-85371-347-1, br., 416 Seiten, 29,90 Euro
Aus dem Englischen von Gregor Kneussel
Dieses Buch ist der lang erwartete vierte Band der Geschichte des modernen Weltsystems. Mit ihr hat Immanuel Wallerstein eine Wegmarke in der Globalgeschichtsschreibung gesetzt. "Das moderne Weltsystem" ist chronologisch aufgebaut. Jeder Band kann für sich gelesen werden. Zusammengefügt entsteht ein Panoramabild der Herausbildung des kapitalistischen Weltsystems im langen 16. Jahrhundert (Band I), der Konsolidierung der Weltwirtschaft unter niederländischer Hegemonie im 17. Jahrhundert (Band II), der weiteren wirtschaftlichen und räumlichen Ausweitung im 18. und frühen 19. Jahrhundert (Band III) sowie der Herausbildung der liberalen Mitte als gesellschaftlichem Hegemon (Band IV).
Im vorliegenden Band IV legt der Autor die geistigen und ideologischen Grundlagen für die Globalisierung im 19. und 20. Jahrhundert dar. Seine Analyse beginnt 1789 im Jahr der Französischen Revolution. Nachdem die alte hierarchische Ordnung in Frage gestellt war, bedurfte es neuer Erklärungen zur Legitimation von Ungleichheit. Detailreich wird nachgezeichnet, wie sich diese Ungleichheit im 19. Jahrhundert entwickelte und vertiefte.
Der Autor entwirft einen Analyserahmen, der die Weltwirtschaft als eine axiale Arbeitsteilung zwischen auf- und absteigenden, im zeitlichen Verlauf sich verschiebenden Teilräumen begreift, die auf der ungleichen Rolle von Zentren und Peripherien beruht. Dieses Modell nahm seinen Ausgang in Süd- und Westeuropa und hat in der Zwischenzeit den gesamten Globus erfasst.
Wallerstein untermauert seine These, dass die Dynamik des kapitalistischen Weltsystems von den jeweiligen Zentren ausgeht, indem er sich der Legitimierung der globalen Zivilisierungsmission zuwendet, die in England und Frankreich begann. Gleichzeitig nimmt Wallerstein im vierten Band jenen Kritikern den Wind aus den Segeln, die ihm eine ökonomistische Herangehensweise unterstellten: Hier geht es um Politik und Ideologie, sowohl seitens der herrschenden Klassen als auch seitens der antisystemischen, oppositionellen Bewegungen.
Mit anderen Worten: es geht um die Herausbildung einer Geokultur für das Weltsystem im 19. Jahrhundert.
Der Autor
Immanuel Wallerstein, Jahrgang 1930, ist Professor emeritus für Soziologie und war jahrzehntelang als Direktor des Fernand Braudel Center an der Binghamton University (New York) sowie an der Maison des Sciences de l?Homme in Paris tätig. Seine Weltsystemtheorie grenzt sich von jedweden Modernisierungstheorien ab; sie hat Generationen von Historikern beeinflusst.

