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Kaller-Dietrich, Martina - MACHT ÜBER MÄGEN

Essen machen statt Knappheit verwalten

Über dieses Buch schrieben und sendeten u.a.:

Die "Wiener Zeitschrift zur Geschichte der Neuzeit" Nr. 5 (2005/1): "Martina Kaller-Dietrich has arranged her book like a comida at a Mexican peasant table."

Die Zeitschrift "Historicum" im Herbst 2003: "Die Autorin untersucht in dieser Arbeit die Eßkultur in San Pablo Etla und Veränderungen der Eßkultur im Zug des Entwicklungsprozesses. Die Beschreibung der Erzeugung von Lebensmitteln, des Kochens und des Essens in San Pablo Etla erscheint durchaus glaubhaft. Demgegenüber fehlt der Darstellung derselben Dinge in entwickelten Ländern jede Plausibilität. Die Autorin stellt ein karikaturartig konstruiertes Gegenmodell vor, demzufolge in entwickelten Volkswirtschaften die Konsumenten auf Erzeugung und Auswahl von Lebensmitteln sowie auf die Zubereitung von Essen keinen wesentlichen Einfluß mehr nehmen, sondern hilflos einem von 'Experten' gesteuerten Geschehen ausgesetzt sind."

Die Zeitschrift "Frauensolidarität" Nr. 82/2002: "'Der Mensch ist, was er isst.' Noch nie erschien mir dieses alte Sprichwort so klar und einleuchtend, wie nach der Lektüre des Buches von Martina Kaller-Dietrich."

Die Zeitschrift "Koryphäe" Nr. 32/ Nov. 2002: "Kaller-Dietrichs Unbehagen mit dem Konzept von Ernährung, welches häufig auch als erzieherische Aufgabe im Zuge von Entwicklungsmaßnahmen gesehen wird, weitet sich zur Kritik am Entwicklungsmodell an sich aus. Am Beispiel von Essen und Ernährung zeigt sie auf, dass Entwicklung beträchtlich zur Vernichtung von schöpferisch aktiven und spirituell gehaltvollen Formen des Tätigseins beigetragen hat."

Die Zeitschrift "Bäuerliche Zukunft" Nr. 270: "Die Habilitation von Martina Kaller-Dietrich steht in der Tradition wissenschaftlicher KritikerInnen neuzeitlicher Normalisierung, des modernen Weltsystems, von Entwicklungs- und Wissenschaftsgläubigkeit, ebenso steht sie in der Tradition der Erforschung historischer und gegenwärtiger Lebensweisen, die nicht in der Normalisierungslogik aufgehen. Auf diesem Hintergrund befasst sich ihr Buch erstmals in dieser Weise mit Ernährung und Essen."

Die Zeitschrift "AEP" in ihrer Ausgabe 2/2002: "Leserinnen, die sich ethnographische Literatur im Stile von Florence Weiss erwarten, werden enttäuscht sein; wer jedoch die Anstrengung der theoretischen Arbeit auf sich nimmt, wird interessante Anregungen finden."

Die "fem-Seiten" im August 2002 unter "http://fem.uibk.ac.at"... befasst sich ihr Buch erstmals in dieser Weise mit Ernährung und Essen. Besonders schon und spannend zu lesen sind die Teile des Buches, die das Tätigsein der eigen- und essmächtigen Frauen in San Pablo Etla und die Begegnungen der Autorin beim gemeinsamen Tätigsein mit ihnen beschreiben."

ISBN 3-85371-190-1, 264 Seiten, br., Euro 23,90, sFr. 40,60
Edition Forschung.

Die Macht über Mägen liegt in den Haushalten von San Pablo Etla, Oaxaca, in den Händen der Frauen. Kaller-Dietrich hat in jenem Dorf im Süden von Mexiko über einen Zeitraum von fünf Jahren gelebt und mit den Frauen über das Essenmachen gesprochen. Die Frauen bestimmen hierbei nicht individuell, sondern in Bezug auf die konkrete Gemeinschaft. Ihre stoffliche, emotionale und spirituelle Perspektive auf das Essen begründet die These vom eigenmächtigen Tätigsein. Parallel dazu existiert verwertungsorientierte Ernährung. Die setzt voraus, dass Menschen in das Abhängigkeitsverhältnis von Produktion und Konsum geraten.

Aus dem Phänomen Essen wird ein globales Bedürfnis nach Ernährt-Werden, das es über Produktion zu befriedigen gilt. Das Prinzip dieses Systems besteht darin, Knappheit - und gleichzeitig vielfältige Erscheinungsformen von Elend - zu erzeugen. Denn die Fähigkeit der Menschen, sich als Gemeinschaften selbst zu versorgen, wird durch nationalökonomische "Entwicklung" systematisch erstickt.

Eine grundsätzliche Kritik an der Macht der Ernährung muss Entwicklung selbst in Frage stellen. Denn Entwicklung meint, dass sowohl das Ziel als auch der Weg dahin von sogenannten Experten standardisiert wird, welche die Befriedigung des menschlichen Bedürfnisses nach Nahrung garantieren sollen. Eine Unterwerfung unter deren Kalkül beraubt freilich die Frauen ihrer Macht über die Mägen. Im Süden Mexikos hat diesbezüglich bis heute keine Transformation vom Machen des Essens zur Verwaltung der Knappheit stattgefunden.

Die Autorin:
Martina Kaller-Dietrich, Jahrgang 1963, studierte Geschichte in Wien, Berlin und Mexiko-Stadt. Sie forscht seit Jahren zur historischen Ernährungsanthropologie und zu indigenen Gemeinschaften in Lateinamerika, Afrika und Asien. Sie lehrt an der Universität Wien. Zuletzt ist von ihr erschienen: "Frauen kochen. Geschichte zu Köchinnen, Küchen und Essen".

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