Keller, Fritz - GELEBTER INTERNATIONALISMUS
Österreichs Linke und der algerische Widerstand (1958 - 1963)
Über dieses Buch schrieben und sendeten u.a.:
Joseph Gepp im "Falter" Nr. 45/ 2010: "Mit seiner Dissertation über Österreichs Algerien-Kampf zeichnet der Historiker Fritz Keller eine andere Sozialdemokratie, als man sie heute kennt. Bei Solidaritätsaktionen weltweit war sie vorne dabei. Die Identifikation ging laut Keller so weit, dass man von einer '58er-Generation' sprechen kann - einer Erfahrungsgemeinschaft zwischen Kriegskindern und Hippies, die von Algerien geprägt wurde. Ein penibel recherchierte, erhellendes, wertvolles Stück Zeitgeschichte".
Peter Autengruber in der "Bücherschau" Nr. 190, 1/2011: "Der Autor zeichnet präzise die lange Zeit verdrängte Solidaritätsarbeit nach und liefert den entsprechenden zeitgeschichtlichen Hintergrund."
Gerd Callesen in der Zeitschrift "Mitbestimmung", Heft 5/2011: "Keller weist nach, dass die Unterstützung der FLN durch etliche Komitees aus diversen Ländern durchaus als bedeutend bezeichnet werden muss. (...) Er analysiert diese verschiedenen Aktionen, ohne sich in Details zu verlieren."
Gerd-Rainer Horn im "Archiv für Sozialgeschichte" der Friedrich Ebert Stiftung: "Fritz Keller hat mit seiner neuesten Studie einen wichtigen Beitrag zum Verständnis nicht nur der österreichischen, sondern gleichzeitig auch der europäischen Linken in der Nachkriegszeit geliefert."
http://library.fes.de/pdf-files/afs/81250.pdf
Thomas Schmidinger in "Austrian Studies Newsletter" vom November 2011: "The coming to power of authoritarian military leaders in Algeria after its independence and the import of ideas of the 'new left' from Germany pushed the memory of this aspect of the history of the Austrian left aside. It is to Fritz Keller's credit that he has brougjht it back so vividly."
Gerd Callesen in "Sozial.Online" Nr. 5/2011: "Kellers Arbeit basiert auf umfangreichen Recherchen. Das durchgesehene Material umfasst sowohl die breite wissenschaftliche und 'graue' Literatur als auch die gesamte sozialdemokratische und linksorientierte österreichische Presse, zudem werden umfassende Archivmaterialien, Filme und Internetquellen herangezogen."
Paul Kleiser in der "Sozialistische Zeitung" im Februar 2011: "Der Wiener Fritz Keller hat sich als Historiker der (nicht nur) österreichischen Arbeiterbewegung einen Namen gemacht. Sein neuestes Buch schließt eine nicht unbedeutende Lücke. (...) Ausführlich werden auch die Auseinandersetzungen in der SPÖ behandelt, denn der Algerienkrieg begann unter der «sozialistischen» Regierung von Guy Mollet. Ein Hauptziel der Solidaritätsarbeit war, in Algerien eingesetzte österreichische und deutsche Fremdenlegionäre dazu zu bringen, aus der französischen Armee zu desertieren, wobei einige Erfolge zu verzeichnen waren."
Die "Jungle World" am 24. Febraur 2011: "In der linken Algerien-Solidarität der fünfziger und sechziger Jahre kam es erstmals zu einer umfassenden Kooperation von Linken und Muslimen. Eine Studie skizzerte diese Zusammenarbeit anhand des österreichischen Internationalismus."
"Der sozialdemokratische Kämpfer" im März 2011: "Dieses Buch ist für alle, die an der Thema der algerischen Revolution und an der Entwicklung der Außen- und Innenpolitik Österreichs nach dem Staatsvertrag 1955 sowie an der Gründungsphase der Jugendarbeit, speziell der Sozialistischen Jugend - interessiert sind, von großer Bedeutung."
Die Zeitschrift "Korso" im November 2010: "Ein Projekt, das hoch an der Zeit war: Viele der damaligen AktivistInnen, die dem Autor authentische Berichte liefern konnten (darüber hinaus hat Keller minutiöses Quellenstudium betrieben), sind schon hoch betagt."
Der Medienspiegel der "Deutsch-Maghrebinischen Gesellschaft" im November 2010: "Karl Blecha, ehemals österreichischer Abgeordneter und Innenminister, gegenwärtig Präsident der 'Gesellschaft für österreichisch-arabische Beziehungen', schreibt im Vorwort zu dieser Dissertation, sie verdiene höchstes Lob. Blecha engagierte sich für Algerien und war während des Krieges selbst im Land. Seinem Urteil kann man sich nur anschließen, denn die Studie ar-beitet nicht nur höchst lebendig ein in Vergessenheit geratenes Stück Geschichte auf, sondern ist auch allgemein verständlich geschrieben und spannend zu lesen."
ISBN 978-3-85371-321-1, br., 320 Seiten, 19,90 Euro, 36.- sFr.
Auf dem Höhepunkt des algerischen Unabhängigkeitskampfes gegen die französische Kolonialmacht wuchs unter den Linken in Europa die Solidarität mit dem arabischen und islamischen Widerstand. In Österreich unterstützten namhafte Parteigänger der Sozialistischen Partei (SPÖ) bis hin zum damaligen Außenminister und späteren Bundeskanzler Bruno Kreisky diese Bewegung und damit den antikolonialen Kampf. Fritz Keller zeichnet diese über die Jahrzehnte verdrängte Geschichte konkreter Solidarität mit der nordafrikanischen Unabhängigkeitsbewegung nach und schreibt damit ein Stück Zeitgeschichte, das in den gängigen Geschichtsbüchern fehlt.
Inmitten der Wiederaufbau-Gesellschaft entfalteten sozialistische Jugendliche grün-weiße Fahnen mit rotem Halbmond und Stern, dem Symbol des „Front de Libération Nationale“ (FLN). Zusammen mit Kommunisten und Trotzkisten bildeten sie eine informelle Runde zur gemeinsamen Unterstützung des algerischen Unabhängigkeitskampfes.
Diese Algerien-Solidarität beschränkte sich nicht auf den Einsatz üblicher Propagandamittel wie das Organisieren von Vorträgen oder das Verteilen von Flugblättern. Zusammen mit dem bosnischen Imam Smail Balic, der später erster Vorsitzender der Islamischen Kultusgemeinde in Österreich werden sollte, besorgten sie z.B. Unterkunft und Arbeit für Flüchtlinge aus Frankreich, die von der Pariser Regierung politisch verfolgt wurden; und über Kontaktannoncen halfen Sozialisten und Kommunisten in enger Kooperation mit den Mudschahids Fremdenlegionären bei der Fahnenflucht vor ihrem mörderischen Handwerk.
Bruno Kreisky, Rudolf Kirchschläger, Karl Blecha, Peter Strasser und Karl Reidinger standen den JungsozialistInnen bei ihren antikolonialen, mitunter am Rande der Legalität angesiedelten Aktionen hilfreich zur Seite. Und dies völlig unbeeindruckt von Vorwürfen seitens französischer Stellen, damit einer „Terror-Organisation“, dem FLN, behilflich zu sein. Es war dieses Engagement für den Unabhängigkeitskampf in Algerien, das die späteren Führungskräfte der SPÖ, Bruno Kreisky, Karl Blecha, Erwin Lanc und Peter Jankowitsch dazu veranlasste, der arabischen Welt insgesamt den ihr gebührenden Respekt in der österreichischen Außenpolitik zuzugestehen. Der Schlüssel für ihre Politik in den 1970er Jahren lag in der Solidarität mit dem um seine Freiheit kämpfenden Algerien begründet.
Der Autor:
Fritz Keller, geboren 1950 in Wien, ist Geschichtsarbeiter und Publizist. Im Promedia Verlag ist 2005 unter seiner Herausgeberschaft der Titel „Rosa Luxemburg. Denken und Leben einer internationalen Revolutionärin“ erschienen.

