Niebel, Ingo - DAS BASKENLAND
Geschichte und Gegenwart eines politischen Konflikts
Über dieses Buch schrieben und sendeten u.a.:
Patrick Eser auf "www.literaturkritik.de" Nr. 10 im Oktober 2011: "Niebel bürstet in seinen Darstellungen durchwegs die vorherrschenden Problemwahrnehmungen und -diagnosen gegen den Strich. (...) kann das Buch Niebels in mancher Hinsicht als informatives Korrektiv und Gegengewicht zu den geläufigen Darstellungen und Berichterstattungen dienen, auch wenn man den politischen Einschätzungen des Autors nicht folgt."
Hannes Heine im Berliner "Tagesspiegel" vom 22. Juni 2009: "Die Nähe zu den Basken verschafft dem Autor einen Informationsvorteil: Die meisten deutschen Bücher zum Thema greifen auf offizielle spanische Quellen zurück, Niebel hingegen wertet baskisches Material aus. Die Eta, das wird deutlich, wäre viel unpopulärer, wenn Spanien gleiches Recht für alle gelten lassen würde. Baskische Gefangene sitzen viel häufiger in Isolationshaft als spanische Verurteilte. (...) „Das Baskenland“ ist kein Buch nur über die Eta. Es beschreibt detailliert und chronologisch die Geschichte des gesamten Konflikts und die Struktur der baskischen Gesellschaft, einschließlich ihrer immer wieder totgesagten und dennoch aktiven Terrorgruppe. (Der Tagesspiegel)
Michel Espagne auf der Plattform "http://hsozkult.geschichte.hu-Berlin.de" am 29. Januar 2009: "Ingo Niebel konzentriert sich auf den Ablauf der Ereignisse und hat deshalb ein wichtiges sehr informatives Buch publiziert. Auch die gewählte baskenfreundliche Perspektive muss begrüßt werden. Stellenweise fehlt vielleicht die geschichtswissenschaftliche Distanz. Die nördlichen Provinzen werden nur am Rande erwähnt, die wirtschaftliche Bedeutung und die demographischen Entwicklungen des Baskenlandes in Spanien und in Europa bleiben eher im Hintergrund, die kulturelle Auferstehung des Baskenlandes trotz aller Repressionen wird vielleicht etwas unterschätzt. Die Legitimität der Zerstückelung europäischer Länder in ethnisch oder sprachlich definierte Gebiete wird nicht erschöpfend diskutiert. Auch sind die postfranquistischen Momente der spanischen Gesellschaft übertrieben, obwohl bedauernswerte Relikte gerade in der ETA-Bekämpfung, in der wiederholten Verhängung des Ausnahmezustandes und überhaupt in der allgemeinen Behandlung der Basken-Frage zu beobachten sind. Sicher bleibt immerhin, dass das Buch eine unerlässliche Darstellung der ausweglosen politischen Situation des jetzigen Baskenlandes in baskischer Sicht darstellt. Jeder, der sich mit der Zeitgeschichte dieses europäischen Territoriums befasst, sollte es, wenn auch ab und zu mit kritischer Distanz, gelesen haben." http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2010-1-129
Gerd Schumann in der "Jungen Welt" vom 8. Juni 2009: "Euskal Herria« (Land der Basken), wie die sieben baskischen Provinzen diesseits
und jenseits der Pyrenäen auf baskisch heißen, weist die »höchste Polizeidichte
in Europa« auf, konstatiert Ingo Niebel in seiner kürzlich erschienenen Arbeit
über »Das Baskenland«. Der Historiker und Autor (u.a.
für junge Welt und verschiedene baskische Medien) erzählt darin faktenreich und
mit politischem Tiefgang die Entstehungsgeschichte dieses Repressionsmammuts und
zugleich eines EU-weit einmaligen Widerstandsprojekts.(...) Anspruch des Autors ist, »ein Bild aus baskischer Perspektive« zu schaffen, ein
widersprüchliches, nicht geschöntes. Dabei geht es ihm nicht um Verständnis,
sondern um Verstehen, was bedeutet, die Berechtigung des Widerstands zwar
anzuerkennen, doch ebenso die eingesetzten Kampfformen zu hinterfragen und
gegebenenfalls zu verwerfen. (Junge Welt)
Georg Kremnitz in der Zeitschrift "Europa Ethnica" Nr. 3-4/2009: "Diesen Band sollte jede/r gelesen haben, der in naher Zukunft über das baskische Problem sich eine Meinung bilden möchte. Er ist insgesamt gut geschrieben (das Lektorat hätte einige Male wacher sein dürfen), vermittelt viele wichtige Informationen und kann das Problem aus einer Sicht darstellen, die nahe an die der baskischen Nationalisten herankommt."
Die Hamburger "Zeitschrift für Politikwissenschaft" am 23. Januar 2010: "Trotz des tendenziösen Grundtenors dürfte Niebels Einschätzung, dass nur eine politische Lösung diesen politischen Konflikt beenden kann, richtig sein."
Werner Altmann in der Zeitschrift "Hispaonorama" im Augsut 2009: "Hier erhält der Leser detaillierte Informationen über die 'spanische' Politik und ihre 'repressive' Methoden gegenüber dem baskischen Separatismus, insbesondere auch über Zapateros Verhandlungsbemühungen mit der ETA und ihrem (vorläufigem?) Scheitern. Niebel stellt nicht nur die einzelnen Akteure vor, sondern zeigt auch die Hindernisse auf, die den Weg zu einer Verhandlungslösung versperren."
Das Internetportal http://www.sozialprojekte.com/info/alnaveocku am 14. Sepember 2009: Dieses Buch behandelt die neuere Geschichte des Baskenlandes in ihrer ganzen Vielfalt. Es ist
nicht leicht, laufende Konflikte objektiv darzustellen, zumal Betroffene sehr
empfindlich reagieren können. Das Buch ist jedoch akkurat recherchiert, so dass
nicht behauptet werden kann, dass Fakten gewollt oder ungewollt falsch
dargestellt worden sind. Der Autor versucht, das viele Blutvergießen kritisch zu
beleuchten und basiert seine Aussagen auf eine große Zahl von Quellen. (...) Es ist ein sehr guter
Einstieg in die baskische Problematik, die es ermöglicht, den Konflikt
nachzuvollziehen.
Ulrich Kühne im "ekz-Informationsdienst" mit der Besprechungsnummer 219.994.0: "Eine gut recherchierte, hauptsächlich auf baskischen Quellen basierende Dokumentation zu einem nach wie vor ungelösten politischen Konflikt. Mit Anmerkungen, Literaturverzeichnis, Glossar, Zeittafel, Karte. Für politsch und zeitgeschichtlich Interessierte."
Armando Garcia Schmidt in der Zeitschrift der deutschen Gesellschaft für auswärtige Politik "Internationale Politik", Juli/August 2010: "Unerträglich, mit welcher Kaltschnäuzigkeit Niebel über die Opfer der selbstgerechten Befreier hinweggeht und wie er vermeintliche Kausalitäten nach ideologischem Belieben konstruiert."
Die "Potsdamer Nachrichten" am 22. Juni 2009: "Niebel verschweigt nicht, dass er mit der baskischen Unabhängigkeitsbewegung sympatisiert. Seine Position legt er seinen Lesern in einem eigenen Kapitel dar. Das bedeutet nicht, dass sich Niebel mit der Eta gemein macht, genauso wie die meisten Basken linksnationale Positionen vertreten, ohne die Eta zu unterstützen."
ISBN 978-3-85371-294-8, 256 S., br., 17,90 Euro; 32.- sFr.
Erpressung, Terror, Autobomben oder „Euskadi Ta Askatasuna“ („Baskenland und Freiheit“) sind die Begriffe, die politisch Interessierte je nach Standpunkt mit der Abkürzung ETA und dem Baskenland verbinden. Im Norden des spanischen Königreichs und im Süden der französischen Republik schwelt Europas längst anhaltender politischer Konflikt.
Nach 30 Jahren parlamentarischer Monarchie ist es noch keiner spanischen Regierung gelungen, das politische Problem mit dem baskischen Norden zu lösen. Aber der Konflikt ist schon lange nicht mehr regional begrenzt; er bestimmt das Schicksal spanischer Regierungen: 1996 verloren die Sozialisten die Macht wegen der „verschwundenen“ Basken, die ihre Todesschwadron GAL ermordet hatte; 2004 erlitten die Konservativen dasselbe Schicksal, weil sie die ETA der verheerenden Anschläge auf die Madrider Vorstadtzüge bezichtigten, wohlwissend, dass das eine Lüge war. Und die 2007 gescheiterten Verhandlungen mit der ETA hätten Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero fast die Wiederwahl gekostet.
2009 wird die ETA den 50. Jahrestag ihrer Gründung begehen, ein Ende ihrer Aktivität ist nicht in Sicht. Dazu trägt die massive Repression bei: die höchste Zahl an politischen Gefangenen seit Franco sowie Massenprozesse und Parteiverbote heizen das Klima an. Auch das UN-Menschenrechtskomitee stellte 2008 fest, dass das Vorgehen der spanischen Justiz gegen baskische Medien und zivilgesellschaftliche Organisationen die Meinungs- und Versammlungsfreiheit bedrohe.
Der erste Teil des Buches beschreibt das heutige Baskenland in seiner geographischen, sozialen und wirtschaftlichen Dimension. Er führt in die Geheimnisse des Baskischen ein und skizziert, wie sich Basken im 21. Jahrhundert als solche verstehen. Daran anschließend schildert der Autor chronologisch, wie Basken vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart für die Anerkennung ihrer nationalen Identität, der territorialen Einheit, dem Selbstbestimmungsrecht und einer Verhandlungslösung des politischen Konflikts gekämpft haben. Im letzten Teil analysiert Niebel den aktuellen - nicht erklärten – „Ausnahmezustand“. Er stellt die einzelnen Akteure vor und zeigt die Hindernisse auf, die den Weg zu einer Verhandlungslösung versperren.
Da die meisten deutschsprachigen Veröffentlichungen zum Baskenland entweder veraltet sind oder so gut wie ausschließlich auf spanische Quellen zurückgreifen, eröffnet dieses Buch mit seinem Aktualitätsbezug und dem Rückgriff auf baskische Quellen die Möglichkeit, den politischen Konflikt von anderer Warte aus betrachten zu können.
Der Autor:
Ingo Niebel, geboren 1965 in Köln, ist Historiker und freier Journalist. Er lebt und arbeitet in Köln und Gernika/Guernica. Seit den 1990er Jahren arbeitet er für unterschiedliche baskische Medien, darunter als Europa-Korrespondent für die Zeitung „Gara“ sowie für die Radiostation „Radio Euskadi“.


