Sauer, Birgit/Strasser, Sabine (Hg.) - ZWANGSFREIHEITEN
Multikulturalität und Feminismus
Über dieses Buch schrieben und sendeten u.a.:
Nausikaa Schirillain der Zeitschrift "Polylog" Nr. 22/ 2009: "Ein notwendiges und längst überfälliges Buch. (...) Die Beiträge sind zum einen theoretische Abhandlungen zu Kultur und Macht und deren Schnittstellen oder Trennlinien und andererseits praktische Beiträge zu den verschiedensten Formen kulturell legitimierter Gewalt gegen Frauen."
Veronika Bilger im "Journal für Entwicklungspolitik" Nr. 3/2009: "Die Stärke (des Sammelbandes) liegt wohl in der Vieldimensionalität, mit der ein komplexes und hoch politisches Thema beleuchtet wird. Somit erhält der Band eine ganze Reihe von Antworten, die nicht nur weitere Anstöße für den akademischen Diskurs geben können, sondern auch eine wertvolle Informationsquelle für den weiten Kreis von Interessierten darstellen".
Die Zeitschrift "Asyl aktuell" Nr. 3/2009: "Gewalt, die von Assimilierungsstrategien der Integration ausgeht, wird in den Beiträgen ebenso thematisiert und Maßnahmen angesprochen, die langfristig Wirkung haben: So etwa sollen Gesetze zu Autonomie und Freiheit beitragen, statt Abhängigkeit zu schaffen."
Christine Klapeer auf der Internetseite "www.wolfsmutter.com" am 23. Dezember 2008: "Ein spannender und empfehlenswerter Sammelband, gerade weil die Autorinnen
darauf verzichten, eindeutige und allgemeingültige Antworten zu geben, sondern
jeweils für eine Kontextsensibilität innerhalb jeweils unterschiedlicher
Settings und Diskurse plädieren."
Katharina Hajek in "Perspektiven. Magazin für linke Theorie und Praxis" vom Herbst 2009: "Somit stellt dieser Band zum einen einen reichhaltigen 'Fundus' für die (empirische) Argumentation auf akademisch-politwissenschaftlicher Ebene dar, zum anderen bietet er sich jedoch darüber hinaus für Interessierte als Einstieg in diese Debatte an, da er es schafft, die Thematiken fokussiert anhand konkreter Problemstellungen zu diskutieren."
Paul Scheibelhofer in der "Stimme von und für Minderheiten" Nr. 69: "AkademikerInnen, PraktikerInnen aber auch allen anderen, die sich Gedanken über Fragen der Emanzipation in multikulturellen Gesellschaften machen und ein Unbehagen in derzeitigen Diskussionen empfinden, sei dieses Buch wärmstens empfohlen."
Annegret Ergenzinger auf der Internetplattform "Querelles-net" Nr. 26/2008: "Aus feministischer Sicht werden Konflikte zwischen Frauenrechten als Menschenrecht und Gruppenrechten der kulturellen Selbstbestimmung in mehrkulturellen Gesellschaften in Europa verhandelt. Sachverständige, Aktivistinnen und Wissenschaftler/-innen thematisieren die am häufigsten in der Öffentlichkeit diskutierten Spannungen: Genitalbeschneidung von Frauen, Zwangsverheiratung, Ehrenmord, Frauenhandel und Kopftuchzwang werden als Reibungen zwischen Individual- und Gruppenrechten, zwischen Minderheits- und Mehrheitsgesellschaft diskursiv und empirisch gerahmt und an die Autonomie der betroffenen Frauen zurückgebunden."
Die "Zeitschrift für Politikwissenschaften" in Hamburg am 2. September 2008: "Die Autroen leisten einen wichtigen Beitrag für das Verständnis für kulturelle Differenzen, zeigen aber auch die Schattenseiten eines falsch verstandenen Kulturbegriffs und unterstreichen die Bedeutung eines politischen Mittelweges zwischen den Strategien zur Verhinderung von Gewalt und dem staatlichen Auftrag, Minderheiten zu schützen."
Elisabeth Grabner-Niel in den "AEP-Informationen" Nr. 3/2008: "Schlussfolgerung nach dieser Lektüre: Die Forderung nach Gleichstellung der Geschlechter im Rahmen einer von kultureller Diversität geprägten Gesellschaft ist möglich. Voraussetzung dazu ist aber die (selbst)kritische Reflexion der jeweils eigenen Kultur und die Sensibilität für ihre Wechselwirkungen mit der jeweils anderen."
ISBN 978-3-85371-283-2, br., 280 Seiten, großes Format, 24,90 Euro, 44.- sFr.
Edition Historische Sozialkunde/ Internationale Entwicklung
Zwangsehe, Ehrenmord, Genitalbeschneidung, Importbräute, Frauenhandel oder Kopftuchzwang sind zentrale Begriffe in emotionalen und kontroversiellen Debatten um Geschlechteregalität in multikulturellen Gesellschaften. Einige Feministinnen warnen vor den negativen Auswirkungen des Multikulturalismus auf Frauen und Mädchen, wenn Kultur zur Legitimierung von Gewalt oder Unterordnung von Frauen herangezogen wird. Mit diesen Themen befasste Nichtregierungsorganisationen (NGOs) kritisieren, dass Frauen und Mädchen im Namen der Kultur im Stich gelassen werden und durch fehlende Interventionen familiärer oder kulturell legitimierter Gewalt ausgeliefert sind.
Andere hingegen betonen die Gefahr, dass die aktuelle Debatte zu "Gewalt" Gefahr läuft, Frauen zu Opfern und zu "Anderen" zu machen. Darüber hinaus werden durch die Debatten um Frauen als „Opfer ihrer Kulturen“ bestimmte ethnische und religiöse Minderheiten mit „Traditionen“ in Verbindung gebracht, die ihre „Kulturen“ als inhärent frauenfeindlich erscheinen lassen. Auch NGOs, die gehandelte Frauen beraten, verweisen immer wieder darauf, dass das Ziel des "empowerments" von Frauen weniger den Opferstatus betonen als die Handlungsfähigkeit dieser Frauen stärken sollte.
Die Unvereinbarkeit von Feminismus und Multikulturalismus wird in der Folge häufig als Erklärung für die Abkehr von multikulturellen Ansätzen in Theorie und Politik herangezogen. Die vorbehaltlose Anerkennung kulturell legitimierter Praktiken erscheint angesichts von Gewalt und Unterdrückung problematisch. Doch genauso umstritten bleibt die Verwerfung von pluralen Ansätzen und die Forderung nach Assimilation, die Selbstbestimmung begrenzt und Lebensentwürfe einschränkt.
Statt multikulturelle Ansätze zum Schutz von Frauen und Mädchen zu verwerfen, sollen in diesem Band Wege aufgezeigt werden, die das Verhältnis von Multikulturalismus und Feminismus neu bestimmen und Frauen- wie Menschenrechte in multikulturellen Gesellschaften thematisieren. Die Beiträge bemühen sich, sowohl historische Linien nachzuzeichnen, als auch die je eigene Perspektive des Schreibenden bzw. der Schreiberin jeweils kritisch zu reflektieren. Die Thematik wird zudem transdisziplinär beleuchtet, indem auch zuständige ExpertInnen aus NGOs und Verwaltung zu diesen Grundsatzreflexionen von „dritten Wegen“ zwischen Assimilation und Abgrenzung, aber auch zwischen postkolonialen Theorien des Anti-Essentialismus und liberalen Ansätzen des Universalismus zur Mitarbeit eingeladen wurden.
Die Herausgeberinnen: Sabine Strasser, Jahrgang 1962, ist Associate Professor an der Middle East Technical University und Senior Researcher an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.
Birgit Sauer, Jahrgang 1957, ist Politikwissenschaftlerin und Professorin am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien. Sie studierte Politikwissenschaft und Germanistik in Tübingen und an der FU Berlin. Sie war Gastprofessorin an der Kon-Kuk-Universität in Seoul/Korea, an den Universitäten Klagenfurt/Österreich, Mainz/Deutschland und an der Florida Atlantic University. Ihre Forschungsschwerpunkte beinhalten Governance und Geschlecht/Critical Governance Studies, Politik der Geschlechterverhältnisse, Staats-, Demokratie und Institutionentheorien, Politik und Kultur sowie vergleichende Policy-Forschung.

