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Weißenbacher, Rudy - JUGOSLAWIEN

Politische Ökonomie einer Desintegration

Über dieses Buch schrieben und sendeten u.a.:


Boris Kanzleiter auf der Webseite "www.oei.fu-berlin" am 4. November 2008: "Die Argumentation Weißenbachers, welche er auf fast 500 Seiten voluminös ausbreitet, kann sich auf einige aussagekräftige Daten stützen. So zeigt der Autor, wie im Laufe der 1970er Jahre der Schuldenstand Jugoslawiens im Ausland von etwas über zwei Milliarden US-Dollar (1970) auf über 18 Milliarden UD-Dollar (1980) rapide anwuchs."

Elke Renner im "Schulheft" Nr. 117/2005: "Atemberaubend zu lesen ist, wie die deutsche Außenpolitik definitorische Stärke zeigte, das Völkerrecht ‚ergebnisorientiert' neu formte und Konzepte von Grenze und Selbstbestimmung selektiv zum Durchbruch verhalf."

Bernhard Leubolt im "Journal für Entwicklungspolitik", XXI. Jahrgang, Nr. 3/2005: "Weißenbachers Buch beantwortet in eindrucksvoller Weise die anfangs aufgeworfene Frage der Hintergründe der Desintegration Jugoslawiens und weckt gleichzeitig weitergehendes Interesse."

Das in Würzburg erscheinende "ödp"-Journal Nr. 128/ November 2005: "Das Auseinanderbrechen Jugoslawiens wird in gängigen Darstellungen als Ergebnis serbischer Aggression verstanden. Wie einseitig diese Sichtweise ist, verdeutlicht dieses Buch."

Boris Kanzleiter in den "Ost-West-Gegeninformationen" Nr. 3/20065: "Können die angesprochenen Defizite noch als Unzulänglichkeiten gelten, sind andere Aspekte Weißenbachers Arbeit ein regelrechtes Ärgernis. Dies gilt insbesondere für den Versuch, die serbisch-nationalistische Position im Desintegrationsprozess zu beschönigen. (...) So stellt Weißenbacher beispielsweise in Zweifel, dass unter Milosevic im Frühjahr 1991 serbische paramilitärische Verbände gegründet worden seien und lässt damit die zu diesem Zeitpunkt erfolgte Aufrüstung slowenischer und kroatischer (para-)militärischer Verbände umso gefährlicher aussehen."

Die Zeitschrift "Progress" Nr. 5/05: "Es handelt sich um ein sachlich geschriebenes und sehr gut recherchiertes Buch, das dazu beitragen kann, rassistische Diktionen à la ‚Serbien muss sterbien' zu überwinden."

Die Grazer Zeitschrift "Korso" im Juni 2005: "... entwickelt Weißenbacher seine Thesen: Das sozialistische Jugoslawien stand als peripheres Land in Abhängigkeit von den ökonomisch entwickelten kapitalistischen Staaten, die Folgen der Verschuldung verschärften diese Abhängigkeit. (...) In dieser Situation setzten sich die Partikulärinteressen der einzelnen Republiks-Eliten durch, die versuchten, ihre jeweils ‚eigene' Bevölkerung zu befrieden."

Das Magazin "korso" im April 2005: "Die Verantwortung der österreichischen und deutschen Außenpolitik für den Zerfall Jugoslawiens (...) ist all jenen bekannt, die sich nicht nur aus lokalen Quellen über zeitgeschichtliche Ereignisse informieren - selten wurden diese Fakten aber so schlüssig, unaufgeregt und präzise recherchiert präsentiert wie im soeben erschienenen Buch des in Wien tätigen Grazer Historikers Rudy Weißenbacher."

ISBN 3-85371-235-5, br., 496 Seiten, Euro39, 90, sFr. 66,70
Edition Forschung

Das vorliegende Buch bespricht die ökonomischen, sozialen und politischen Prozesse, die den Hintergrund für den gewalttätigen Desintegrationsprozess der 1990er Jahre bildeten. Anfangs geht es um die jugoslawische Staats- und Verfassungsgeschichte (1943 - 1991), ein notwendiger Schritt, um die verschiedenen Interpretationen, die später kriegerisch aufeinanderprallten, verstehen zu können.

Ebenso umstritten wie die Verfassung war die Verteilung des Sozialprodukts. Jugoslawien gelang es trotz erheblichen Entwicklungsbemühungen nicht, das ökonomische und soziale Gefälle zwischen den Regionen zu verringern. Die Streitfrage, ob die reichen Regionen mehr von dem jugoslawischen System profitierten oder die wirtschaftlich unterentwickelten die umverteilten Mittel nur zu wenig effizient eingesetzt hatten, wurde nie entschieden. Die erfolgreichste Zeit der jugoslawischen Ökonomie war jene mit der größten Planungsintensität. Das Experiment einer "sozialistischen Marktwirtschaft" blieb demgegenüber kurzlebig. Als Antwort auf die heftigen politischen Konflikte Anfang der 1970er Jahre folgte eine weitere Dezentralisation, die in die Verfassung von 1974 mündete: Sie ermöglichte es sechs Republiken und zwei serbischen Provinzen (Kosovo und Vojvodina), sich wie eigene Volkswirtschaften zu verhalten und gab diesen acht Einheiten legislative Macht auf Bundesebene (Vetorecht).

Als Faktoren von außen ortet der Autor globale Rezession, Verschuldung und das Ende der Blockkonstellation im Kalten Krieg. Detailreich beschreibt er den Prozess von der Kreditkrise über die Staatskrise bis zur Desintegration. Der Versuch Jugoslawiens, mit günstigen und von den Gläubigern zum Teil aufgedrängten Krediten der 1970er Jahre eine nachholendende Entwicklung zu stimulieren, endete mit der Hochzinspolitik der USA im Fiasko. Die Kreditkrise kann als auslösendes Moment für die gesellschaftliche Krise gesehen werden. In der Folge beschleunigten das Krisenmanagement und die "Stabilisierungsprogramme" des Internationalen Währungsfonds (IWF) den Desintegrationsprozess. Die nördlichen Teilrepubliken Kroatien und Slowenien sahen durch die Krise und die damit verbundene Re-Zentralisierung ihre privilegierte Stellung in der Verfassung und ihren Wohlstand gefährdet und suchten ihr Heil in Lösungen außerhalb des jugoslawischen Bundesstaates.

Jugoslawien war aufgrund seiner Position zwischen kapitalistischem "Westen" und sozialistischem "Osten"" bzw. zwischen wirtschaftlich entwickeltem "Norden" und wirtschaftlich unterentwickeltem "Süden" besonders von den internationalen Rahmenbedingungen abhängig. Wie rasch sich die Interpretationen der sezessionistischen Teilrepubliken international durchsetzten, ist nicht zuletzt der Stärke Deutschlands geschuldet, dem es gelang, das Völkerrecht ergebnisorientiert zu formen und so seine eigenen ökonomischen und politischen Interessen durchzusetzen.

Der Autor: Rudy Weißenbacher, geboren 1966 in Graz, ist historischer Sozialwissenschaftler und Publizist. Er studierte Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Wirtschaftsuniversität Wien sowie an der University of Minnesota/USA und arbeitet im Paulo Freire-Zentrum in Wien.

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