Wernhart, Karl R. /Zips, Werner - ETHNOHISTORIE
Rekonstruktion und Kulturkritik. Eine Einführung
Über dieses Buch schrieben
und sendeten u.a.:
"Die Presse" am 22.8.1998: "Ethnohistorie, wie sie in Wien betrieben wird, befaßt sich mit dem sozialen Handeln und der kulturellen Identität von Menschen im Laufe der Geschichte."
Edition Forschung. 3., überarbeitete und veränderte Auflage
Ethnologische Forschung passiert zumeist in einem historischen Kontext. Forscher und Erforschte teilen jedoch nur in Ausnahmefällen den gleichen kulturellen und geschichtlichen Horizont. Weitaus häufiger treffen sie in einem bereits ausdefinierten Raum politischer Machtbeziehungen aufeinander. Kolonialismus und Nord-Süd-Gefälle bilden dabei den Bezugsrahmen. Diesen Kontext in den Mittelpunkt zu stellen, ist eines der Hauptanliegen der Ethnohistorie. Der vorliegende Band verfolgt die Zielsetzung, einen einführenden Überblick über den Diskussionstand ethnohistorischer Methoden und Theoriebildung zu geben. Sein Erscheinen in der dritten Auflage unterstreicht seinen Charakter als klassisches Lehrbuch, das gleichwohl auch außerhalb von Universitäten auf Interesse stößt.
Als rekonstruierende Sozialwissenschaft verstanden, stellt sich ethnohistorische Forschung berechtigten kulturkritischen Anliegen. Sie untersucht geschichtliche Entwicklungen im dialektischen Zusammenhang von Sozialstrukturen und konkreten Praktiken handelnder Subjekte. Die diesen Entwicklungen zugrunde liegenden Herrschaftsverhältnisse werden dabei rekonstruiert, um sie einer verändernden Kritik zu öffnen. Mit dem Einführungsband zur Ethnohistorie wollen die Herausgeber auch eine fächerübergreifende Diskussion der Theoriebildung und Methodologie aufnehmen. Mehrere Beiträge widmen sich dem Brückenschlag zwischen Ethnologie und Geschichtswissenschaft einschließlich der Ethnoarchäologie. Diskutiert werden aber auch feministische Anthropologie, Ethnizitäts- und Migrationsforschung, Postmoderne, Diskurstheorie und praxeologische Sozialwissenschaft. Damit verbindet sich das Ziel einer historisch orientierten ethnologischen Disziplin als reflexive Praxis.
Die Herausgeber: Karl R. Wernhart, Jahrgang 1941, ist emeritierter Professor der Universität Wien, an der er ab 1979 den Lehrstuhl für Völkerkunde innehatte.
Werner Zips, Jahrgang 1958, studierte Völkerkunde, Afrikanistik und Jus in Wien. Er ist seit 2001 ao. Univ.-Prof. am Institut für Kultur- und Sozialanthropologie an der Universität Wien. Seinen Forschungen in der Karibik und in Afrika entstammen eine Reihe von Filmen, die in verschiedenen TV-Kanälen zu sehen sind. Forschungsschwerpunkte: Rechtsanthropologie, Ethnohistorie, afrikanische Diaspora. Im Promedia Verlag sind von ihm zuletzt erschienen, gemeinsam mit Heinz Kämpfer: „Nation X. Schwarzer Nationalismus, black exodus und Hip Hop“ sowie als Herausgeber „Rastafari. Eine universelle Philosophie im 3. Jahrtausend.“

