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Wiesinger, Karl – STANDRECHT

Roman

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Erich Hackl in der Tagesszeitung "Junge Welt" am 10. Februar 2012: "Wiesinger, Linzer des Jahrgangs 1923, zog sich im Gefangenenhaus Wels, in das er unter der Naziherrschaft wegen »Wehrkraftzersetzung« gesperrt worden war, eine schwere Lungenkrankheit zu, an der er bis zu seinem Tod 1991 laborierte. Er war kein unbekannter, aber ein selbst von den eigenen Genossen sträflich unterschätzter Autor. Umso erfreulicher ist es, daß der Promedia-Verlag gleich drei Romane wiederaufgelegt hat, die mit Fug und Recht als Wiesingers Hauptwerk gelten dürfen und die wichtigsten Ereignisse der österreichischen Zeitgeschichte aufgreifen: den Februaraufstand 1934 und seine blutige Niederwerfung, den Abwehrkampf gegen den sogenannten Anschluß an das Deutsche Reich sowie den Massenstreik gegen das vierte Lohn-Preis-Abkommen im Oktober 1950 und die darauffolgende Repressionswelle, beispiellos in der Zweiten Republik. Kann man den beiden anderen Romanen – »Standrecht« und »Der rosarote Straßenterror« – allenfalls kolportagehafte Elemente ankreiden, so ist »Achtunddreißig« ein literarisches Meisterwerk, das sein Versprechen einlöst, die Totalität dessen darzustellen, was in den Tagen und Wochen vor dem Einmarsch der deutschen Truppen in Österreich geschehen ist."

Karl Wiesinger Standrecht

ISBN 978-3-85371-334-1, französische Broschur, 208 Seiten, 19,90 Euro

Im Februar 1934 blies der österreichische Ständestaat unter der Führung von Bundeskanzler Engelbert Dollfuß zur Offensive gegen die letzten legalen Organisationen der Arbeiterbewegung. Knapp ein Jahr zuvor war das Parlament ausgeschaltet, kurz darauf die Kommunistische Partei und der Republikanische Schutzbund, die paramilitärische Organisation der Sozialdemokratischen Partei, verboten worden. Österreich steuerte auf eine Diktatur zu, als am 12. Februar 1934 die Polizei eine Hausdurchsuchung der Linzer Zentrale der Sozialdemokratischen Partei vornahm – und dabei auf bewaffneten Widerstand stieß. Der Bürgerkrieg nahm seinen Lauf.

Im Mittelpunkt von Karl Wiesingers Roman über die für Österreich so entscheidenden Ereignisse steht der arbeitslose Bierbrauer Martin Lechner. Bei einem Arbeiterfest im steirischen St. Lorenzen erlebt dieser die Brutalität der christlich-sozialen Heimwehr mit eigenen Augen, als diese unbewaffnete Festzugsteilnehmer kaltblütig erschießt. Er schließt sich dem Republikanischen Schutzbund an und gerät so an die Front des Bürgerkriegs in den Wiener Gemeindebauten. Dabei bemerkt Martin, wie wankelmütig sich die sozialdemokratische Partei in diesen Tagen verhält. Während die Führung den Aufstand abblasen will, kämpfen die Genossen des Schutzbunds in den Arbeitersiedlungen weiter, obwohl sie kaum Aussicht auf Erfolg haben. Das bringt Martin zu der Überzeugung, sich der KPÖ anzuschließen und so den Kampf in der Illegalität fortzusetzen.

Karl Wiesinger zeichnet in einfachen, klaren Worten ein umfassendes Bild der damaligen politischen Verhältnisse in Österreich. Nicht nur Martin Lechner und seine Kampfgefährten kommen zu Wort, sondern auch die Führer der Sozialdemokratie, der berühmte Aufständische Koloman Wallisch, der Austrofaschist Engelbert Dollfuß und die herrschende Kaste sowie die aufstrebenden Nationalsozialisten. Wiesinger gewährt Einblick in die Sichtweise der Wiener Bevölkerung zur damaligen Zeit, die von Armut und Hunger ebenso betroffen ist wie von den drückenden politischen Verhältnissen.

Die Auseinandersetzung mit der Sozialdemokratie hat Wiesingers Werk entscheidend geprägt: Als führende Partei der österreichischen Arbeiterschaft trägt sie im Februar 1934 die Verantwortung dafür, dass sich nur kleine Bastionen, nicht aber die Masse der Werktätigen dem Kriegszug von Polizei, Bundesheer und Heimwehr entgegenstellt. Der verlorene Aufstand führt zum Verbot der sozialdemokratischen Partei, der austrofaschistischen Diktatur und letztlich zum Anschluss an Nazi-Deutschland im Jahr 1938.


Der Autor

Karl Wiesinger, geboren 1923 in Linz, sympathisierte schon früh mit der kommunistischen Bewegung in Österreich. Im Krieg begeht er Sabotageakte an der finnischen Front und ist im illegalen kommunistischen Widerstand aktiv. Nach 1945 tritt er der KPÖ bei und wird zu einer wichtigen Figur der Linzer Kulturszene. 1991 stirbt Karl Wiesinger in Linz.

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